30 Prozent Qualität.

Bei arbeitsintensiven Aufträgen sogar 50 Prozent.

Mit ihrem am 9. September 2026 vorgelegten Vorschlag für einen neuen Public Procurement Act will die Europäische Kommission die Vergabe öffentlicher Aufträge stärker vom reinen Preisvergleich lösen. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis soll zum Regelfall werden. Qualitätskriterien sollen grundsätzlich mindestens 30 Prozent der Gesamtbewertung ausmachen, bei arbeitsintensiven Aufträgen mindestens 50 Prozent. Berücksichtigt werden können je nach Auftrag unter anderem Umwelt-, Sozial-, Innovations-, Sicherheits- und Resilienzaspekte. [1][2]

Wichtig: Das ist ein Gesetzgebungsvorschlag, noch kein geltendes Recht. Parlament und Rat müssen darüber verhandeln. Zudem sieht der Entwurf Ausnahmen vor, wenn Qualität auf andere Weise – etwa über Spezifikationen oder Bedingungen der Vertragsdurchführung – ausreichend sichergestellt wird. [1][2]

Für Procurement ist der Vorschlag trotzdem schon heute interessant.

Nicht nur wegen der künftigen Regeln für öffentliche Auftraggeber.

Sondern wegen einer grundlegenden Steuerungsfrage, die auch außerhalb des Vergaberechts gilt:

Wenn Qualität wichtig genug ist, um einen Supplier auszuwählen – warum wird sie nach dem Zuschlag häufig viel unschärfer gesteuert als Preis und Budget?

Ein Anbieter gewinnt, weil sein Team überzeugt.

Weil sein Delivery-Konzept besser erscheint.

Weil Erfahrung, Innovation, Servicequalität oder fachliche Methodik stärker bewertet werden.

Nach Vertragsabschluss verändern sich die Gespräche.

Dann dominieren Bestellwert, Stunden, Meilensteine und Rechnungen.

Die Qualität, die zuvor über den Zuschlag mitentschieden hat, wird schnell zu einer allgemeinen Einschätzung:

„Läuft gut.“

„Der Dienstleister ist stark.“

„Mit dem Team sind wir zufrieden.“

Oder:

„Irgendwie passt die Qualität nicht.“

Genau an dieser Stelle beginnt Supplier Performance Management.

Ein guter Zuschlag ist noch keine gute Delivery

Vergabe und Supplier-Steuerung beantworten unterschiedliche Fragen.

Die Auswahlphase fragt:

Welcher Anbieter verspricht unter den gegebenen Kriterien die beste Leistung?

Die Delivery-Phase muss beantworten:

Erbringt der ausgewählte Anbieter diese Leistung tatsächlich?

Das klingt selbstverständlich.

In der Praxis entsteht dazwischen aber häufig ein Bruch.

Während einer Ausschreibung werden Qualitätskriterien mit erheblichem Aufwand formuliert, bewertet, gewichtet und dokumentiert.

Nach dem Zuschlag werden sie jedoch nicht immer in eine ebenso klare Performance-Logik übersetzt.

Das kann bei standardisierten Produkten weniger relevant sein. Bei komplexen Dienstleistungen wird es schnell kritisch.

Denn bei IT, Consulting, Marketing, Engineering oder anderen Professional Services entsteht Qualität häufig nicht allein durch ein fertiges Produkt.

Sie steckt beispielsweise in:

  • fachlicher Qualität der Ergebnisse,
  • Qualität und Kontinuität des eingesetzten Teams,
  • Einhaltung von Meilensteinen,
  • Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit,
  • Nacharbeitsquote,
  • Qualität von Dokumentation und Übergabe,
  • Umgang mit Scope-Änderungen,
  • Fähigkeit, Risiken früh offenzulegen,
  • Zusammenarbeit an kritischen Schnittstellen.

Wenn diese Aspekte bei der Auswahl wichtig waren, sollten sie nach Vertragsabschluss nicht aus dem Steuerungsmodell verschwinden.

Der neue EU-Vorschlag macht eine wichtige Trennung sichtbar

Der Kommissionsentwurf verlangt für die Zuschlagsphase, dass Kriterien unter anderem spezifisch, objektiv und messbar sind. Öffentliche Auftraggeber sollen Kriterien und ihre Gewichtung vorab festlegen. [2]

Das ist zunächst eine vergaberechtliche Anforderung.

Daraus lässt sich jedoch ein allgemeines Managementprinzip ableiten:

Qualität wird erst steuerbar, wenn klar ist, woran sie beobachtet werden soll.

Dabei sollten drei Ebenen auseinandergehalten werden.

1. Auswahlkriterium

Warum erhält dieser Supplier den Auftrag?

Zum Beispiel, weil ein bestimmtes Team, ein fachliches Konzept oder ein Qualitätsansatz besser bewertet wurde.

2. Vertrags- oder Leistungserwartung

Welche dieser Eigenschaften muss der Anbieter während der Vertragslaufzeit tatsächlich erfüllen?

Ein überzeugendes Team im Pitch hilft wenig, wenn im Projekt anschließend dauerhaft andere Profile eingesetzt werden.

3. Performance-Indikator

Woran erkennen Auftraggeber und Supplier im laufenden Projekt gemeinsam, ob die Erwartung erfüllt wird?

Erst auf dieser Ebene wird aus einem Qualitätsversprechen eine steuerbare Information.

Die drei Ebenen müssen nicht identisch sein.

Aber sie sollten logisch miteinander verbunden sein.

Qualität ist mehr als eine Punktzahl

Die naheliegende Reaktion lautet, mehr KPIs einzuführen.

Das allein löst das Problem nicht.

CIPS weist beim Supplier Performance Management ausdrücklich darauf hin, dass es keine universelle Messgröße gibt, die für alle Organisationen und Supplier passt. Bewertet werden können je nach Leistung beispielsweise Produkt- oder Servicequalität, Liefergenauigkeit, Kundenservice, Durchlaufzeiten, Account Management oder kommerzielle Kosten. Wichtig sei, dass überwachte Ziele und Zielwerte zuvor vereinbart wurden. [4]

Das ist besonders bei Professional Services relevant.

Eine Agentur lässt sich nicht sinnvoll mit denselben Kriterien steuern wie ein Hosting-Provider.

Eine Strategieberatung nicht wie ein Software-Entwicklungspartner.

Ein externer Engineering-Dienstleister nicht wie eine Kreativagentur.

Supplier Performance Management benötigt deshalb kein maximales Kennzahlenset.

Es benötigt ein passendes Messmodell für die konkrete Leistung.

Sieben Fragen, die aus Qualitätskriterien echte Supplier Performance machen

1. Was genau bedeutete „Qualität“ bei der Auswahl?

„Qualität“ ist kein messbares Kriterium, solange nicht geklärt ist, was damit gemeint ist.

War entscheidend:

  • die Seniorität des Teams?
  • die Qualität eines Lösungskonzepts?
  • Branchenerfahrung?
  • Reaktionsgeschwindigkeit?
  • eine bestimmte Methodik?
  • die Qualität erwarteter Deliverables?
  • Innovationsfähigkeit?
  • Zusammenarbeit und Governance?

Wer das nicht mehr nachvollziehen kann, verliert bereits nach dem Zuschlag einen Teil der Auswahlentscheidung.

Deshalb sollte Supplier Governance zunächst dokumentieren:

Warum haben wir diesen Anbieter eigentlich ausgewählt?

Nicht nur den Preis.

Sondern die Leistungsmerkmale, die den Unterschied gemacht haben.

2. Welche Qualitätsversprechen müssen im Projekt erhalten bleiben?

Nicht jedes positive Merkmal aus einer Ausschreibung muss zum KPI werden.

Aber diejenigen Punkte, die für die Vergabeentscheidung wesentlich waren, sollten auf ihre Delivery-Relevanz geprüft werden.

Ein Beispiel:

Ein Beratungsunternehmen gewinnt unter anderem wegen eines Senior-Teams mit spezifischer Erfahrung.

Nach Projektstart werden große Teile der Arbeit von anderen Profilen übernommen.

Das muss nicht automatisch schlecht sein.

Vielleicht ist das Delivery-Modell genau so vereinbart.

Problematisch wird es, wenn die Qualität der angebotenen Besetzung ein entscheidendes Auswahlargument war, der spätere Personaleinsatz aber weder transparent noch gesteuert wird.

Dasselbe Prinzip gilt für Methoden, Reaktionszeiten, Dokumentationsstandards oder zugesagte Delivery-Strukturen.

Die Frage lautet:

Welche Auswahlmerkmale waren nur Teil des Angebots – und welche sind Bestandteil der Leistungserwartung?

3. Ist der Indikator wirklich beobachtbar?

Ein KPI wie „hohe Beratungsqualität“ hilft kaum.

Auch „Kundenzufriedenheit“ kann zu abstrakt sein, wenn unklar ist, wer sie wie bewertet.

Besser sind Kriterien, die gemeinsam verstanden werden können.

Zum Beispiel:

  • vereinbarte Deliverables ohne wesentliche Nacharbeit,
  • Einhaltung definierter Review- oder Abnahmeprozesse,
  • Kontinuität kritischer Projektrollen,
  • Termintreue definierter Meilensteine,
  • dokumentierte Reaktionszeit auf kritische Issues,
  • Vollständigkeit vereinbarter Dokumentation,
  • Qualität definierter Übergaben.

Nicht jeder dieser Indikatoren passt zu jedem Projekt.

Die Logik ist wichtiger als die konkrete Kennzahl:

Beide Seiten müssen erkennen können, worauf sich die Bewertung bezieht.

4. Wer bewertet – und auf welcher Datenbasis?

Supplier Performance wird schnell politisch, wenn Auftraggeber und Dienstleister mit verschiedenen Informationsständen arbeiten.

Der Supplier sieht seine geleisteten Stunden.

Der Fachbereich sieht die Qualität des Ergebnisses.

Das PMO sieht offene Meilensteine.

Procurement sieht Vertrag und Bestellvolumen.

Controlling sieht Rechnungen.

Alle können mit ihren Aussagen gleichzeitig recht haben.

Deshalb braucht Supplier Performance Management eine gemeinsame Bewertungsbasis.

CIPS empfiehlt, objektive Informationen zur Supplier Performance zu sammeln und gleichzeitig Erfahrungen relevanter Stakeholder einzubeziehen. Die Organisation sollte also weder ausschließlich auf subjektive Zufriedenheit noch ausschließlich auf technische Kennzahlen setzen. [3][4]

Gerade bei Services entsteht Qualität häufig aus beidem:

messbarer Leistung und fachlicher Bewertung.

5. Welche Abweichung führt zu welcher Aktion?

Ein Performance Score ohne Konsequenz ist Reporting.

Steuerung beginnt erst mit der nächsten Frage:

Was passiert, wenn die Qualität vom Ziel abweicht?

Mögliche Reaktionen können sein:

  • operative Klärung,
  • Root-Cause-Analyse,
  • konkreter Verbesserungsplan,
  • Anpassung von Team oder Governance,
  • zusätzliche Reviews,
  • Scope-Klärung,
  • Eskalation,
  • kommerzielle Konsequenz, sofern vertraglich vorgesehen,
  • Entscheidung über Verlängerung oder Folgebeauftragung.

Nicht jede Abweichung braucht Eskalation.

Aber jede relevante Kennzahl sollte einen Steuerungszweck besitzen.

Wer nicht weiß, welche Entscheidung eine Messgröße unterstützen soll, benötigt sie wahrscheinlich nicht.

6. Wird auch die Auftraggeberseite betrachtet?

Supplier Performance Management wird leicht zu einem einseitigen Bewertungssystem.

Der Lieferant liefert zu spät.

Der Lieferant reagiert zu langsam.

Der Lieferant produziert Nacharbeit.

Manchmal stimmt das.

Manchmal fehlen jedoch Entscheidungen auf Auftraggeberseite.

Briefings verändern sich.

Freigaben kommen verspätet.

Mehrere Stakeholder geben widersprüchliche Anforderungen.

Zugänge oder Daten werden nicht rechtzeitig bereitgestellt.

CIPS empfiehlt deshalb ausdrücklich, auch die Erfahrung des Suppliers mit der eigenen Organisation zu berücksichtigen. Hindernisse auf Käuferseite können die Performance beeinflussen. [3]

Das ist für Professional Services besonders wichtig.

Denn die Leistungsqualität entsteht häufig an einer Schnittstelle.

Ein faires Supplier Performance Management fragt deshalb nicht nur:

„Wie gut liefert unser Dienstleister?“

Sondern auch:

„Welche Voraussetzungen schaffen wir, damit die vereinbarte Leistung überhaupt erbracht werden kann?“

7. Fließt tatsächliche Performance in die nächste Entscheidung ein?

Hier schließt sich der Kreis zur Vergabe.

Ein Unternehmen bewertet bei jeder neuen Ausschreibung Erfahrung, Team, Methoden und Qualität.

Gleichzeitig besitzt es möglicherweise jahrelange eigene Projekterfahrung mit mehreren Dienstleistern.

Aber diese Erfahrung liegt verteilt:

  • in Köpfen einzelner Projektleiter,
  • in Statusberichten,
  • in Procurement-Unterlagen,
  • in E-Mails,
  • in Abschlusspräsentationen,
  • in Rechnungsdaten,
  • in Lessons-Learned-Dokumenten.

Dann beginnt die nächste Supplier-Auswahl trotz großer eigener Erfahrung erneut mit Präsentationen, Referenzen und subjektiven Erinnerungen.

Supplier Performance Management gewinnt seinen strategischen Wert erst dann vollständig, wenn tatsächliche Delivery-Erfahrung in spätere Entscheidungen einfließt.

Nicht als pauschales Supplier-Ranking.

Sondern im Kontext:

Für welche Art von Projekt hat dieser Anbieter welche Performance gezeigt?

Auswahlkriterium, KPI und Projektwirkung sind nicht dasselbe

Ein häufiger Fehler besteht darin, die drei Ebenen zu vermischen.

Ein Auswahlkriterium beantwortet:

Warum halten wir dieses Angebot für besser?

Ein KPI beantwortet:

Erfüllt der Supplier eine vereinbarte Erwartung?

Eine Projektwirkung beantwortet:

Welche Konsequenz hat die Leistung für Kosten, Timing, Qualität oder Zielerreichung?

Diese Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht identisch.

Ein Supplier kann beispielsweise eine vereinbarte Reaktionszeit erfüllen und ein Projekt trotzdem an einer anderen Schnittstelle verzögern.

Oder ein Supplier verfehlt einen internen Qualitätswert leicht, ohne dass eine relevante Projektwirkung entsteht.

Deshalb sollte Supplier Performance nicht in einem isolierten Score enden.

Die eigentliche Managementfrage lautet:

Welche Abweichung ist für welches Projekt tatsächlich relevant?

Warum ein Gesamtscore schnell Scheingenauigkeit erzeugt

„Supplier A: 87 Punkte.“

„Supplier B: 82 Punkte.“

Solche Werte sind attraktiv.

Sie versprechen Vergleichbarkeit.

Aber ein Gesamtscore kann mehr verbergen als erklären.

Denn 87 Punkte können völlig unterschiedliche Realitäten enthalten.

Supplier A ist teuer, aber extrem zuverlässig.

Supplier B ist günstig, benötigt jedoch viel Steuerungsaufwand.

Supplier C ist fachlich hervorragend, aber nur begrenzt skalierbar.

Supplier D funktioniert in standardisierten Rollouts sehr gut, aber nicht in offenen Innovationsprojekten.

Ein sinnvoller Performancevergleich braucht deshalb:

  • definierte Kriterien,
  • vergleichbare Daten,
  • nachvollziehbare Gewichtungen,
  • Kontext zum Projekttyp,
  • ausreichend belastbare Datenbasis.

Die Ramp7 Intelligence Map behandelt Benchmarking genau aus diesem Grund nur dann als starkes Thema, wenn vergleichbare Daten und eine definierte Methodik vorliegen. Erfundenen Benchmarks oder Scheingenauigkeit soll ausdrücklich ausgewichen werden.

Auch CIPS warnt davor, dass es keine universell einsetzbaren Supplier-Maße gibt. [3]

Vergleichbarkeit entsteht nicht durch eine Zahl. Sie entsteht durch eine gemeinsame Messlogik.

Was der neue EU-Vorschlag für Procurement interessant macht

Der Public Procurement Act richtet sich an öffentliche Beschaffung.

Private Unternehmen sind nicht deshalb verpflichtet, ihre Supplier-Auswahl nach denselben Regeln zu gestalten.

Die Reform macht jedoch drei Managementprinzipien besonders sichtbar.

Qualität muss konkretisiert werden

Der Kommissionsvorschlag verlangt für Zuschlagskriterien unter anderem Spezifität, Objektivität und Messbarkeit. [2]

Das Prinzip ist auch außerhalb des öffentlichen Vergaberechts sinnvoll:

Wer Qualität als Entscheidungsfaktor nutzen will, muss erklären können, was genau bewertet wird.

Preis und Qualität sind unterschiedliche Dimensionen

Ein niedrigerer Preis ist nicht automatisch das wirtschaftlich bessere Angebot.

Umgekehrt rechtfertigt ein Qualitätsversprechen nicht automatisch jeden Preis.

Supplier Governance muss deshalb beide Perspektiven verbinden.

Qualität endet nicht beim Zuschlag

Der Kommissionsvorschlag selbst unterscheidet zwischen Zuschlagskriterien, Spezifikationen und Bedingungen für die Vertragsdurchführung. [1][2]

Für Supplier Performance Management folgt daraus eine wichtige Logik:

Qualität kann in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich abgesichert werden – sie darf nach Vertragsabschluss aber nicht unsichtbar werden.

Ein praktisches Modell: Von der Vergabematrix zum Supplier Review

Unternehmen können ihre bestehende Supplier-Steuerung mit einem einfachen Durchstich prüfen.

Nehmen Sie die drei wichtigsten Qualitätskriterien einer vergangenen Ausschreibung.

Und fragen Sie zu jedem Punkt:

SELECTION

Warum war dieses Kriterium für die Auswahl relevant?

COMMITMENT

Welche konkrete Erwartung wurde daraus für Vertrag und Delivery abgeleitet?

EVIDENCE

Welche Daten oder Beobachtungen zeigen heute, ob die Erwartung erfüllt wird?

IMPACT

Welche Auswirkung hat eine Abweichung auf Projekt, Budget, Timing oder Ergebnis?

ACTION

Welche Entscheidung folgt aus einer relevanten Abweichung?

Wenn sich diese Kette nicht herstellen lässt, besteht eine Lücke zwischen Einkauf und Delivery.

Dann bewertet das Unternehmen Qualität vor der Beauftragung präziser als während der tatsächlichen Leistung.

Procurement und Fachbereich dürfen nach dem Zuschlag nicht auseinanderlaufen

Supplier-Auswahl ist häufig ein gemeinsamer Prozess.

Procurement strukturiert Verfahren, Konditionen und Vertrag.

Der Fachbereich bewertet fachliche Eignung.

Management genehmigt Budgets.

Legal prüft Vertragsrisiken.

Nach dem Zuschlag verlagert sich die Verantwortung jedoch oft stark in den Fachbereich oder das Projekt.

Procurement sieht dann hauptsächlich:

  • Bestellwerte,
  • Verträge,
  • Renewals,
  • formale Supplier-Risiken.

Das Projekt sieht dagegen:

  • tatsächliche Performance,
  • Qualität,
  • Reibungsverluste,
  • Nacharbeit,
  • Terminprobleme.

Genau zwischen diesen Perspektiven entsteht eine Steuerungslücke.

Wenn Procurement den Supplier später erneut bewertet, fehlen möglicherweise die tatsächlichen Delivery-Daten.

Wenn das Projekt Probleme erlebt, fehlt ihm möglicherweise der kommerzielle oder vertragsbezogene Kontext.

Ein belastbares Supplier Performance Management verbindet beide.

Project Intelligence: Aus Supplier-Auswahl wird Supplier-Erfahrung

Aus Ramp7-Perspektive liegt der relevante Punkt nicht darin, eine weitere Scorecard zu erzeugen.

Entscheidend ist, Informationen zusammenzubringen, die heute häufig getrennt betrachtet werden:

  • Supplier,
  • Projekt,
  • vereinbarte Leistung,
  • Kosten,
  • Timing,
  • Qualität,
  • Abweichung,
  • Managemententscheidung.

So entsteht aus einer Vergabeentscheidung später eine belastbare Projekterfahrung.

Und aus mehreren Projekterfahrungen kann wiederum eine bessere Grundlage für die nächste Supplier-Entscheidung entstehen.

Das bedeutet nicht, dass Ramp7 automatisch Vergabekriterien bewertet, Benchmarks erzeugt oder Supplier-Qualität algorithmisch beurteilt.

Es beschreibt die Managementlogik hinter Project Intelligence:

Externe Leistung wird erst dann wirklich steuerbar, wenn Auswahl, tatsächliche Delivery und spätere Entscheidung auf nachvollziehbaren Informationen aufbauen.

Zehn Fragen für das nächste Supplier Review

Ein Supplier Review sollte deshalb mehr beantworten als „Wie zufrieden sind wir?“

  • Warum wurde dieser Supplier ursprünglich ausgewählt?
  • Welche Qualitätsmerkmale waren für die Entscheidung ausschlaggebend?
  • Welche davon sind heute noch Bestandteil der Leistungserwartung?
  • Woran lässt sich ihre Erfüllung konkret beobachten?
  • Welche Bewertung basiert auf Daten – und welche auf fachlicher Einschätzung?
  • Welche relevanten Abweichungen gab es?
  • Welche Auswirkungen hatten sie auf Kosten, Timing oder Projektergebnis?
  • Welche Ursachen lagen beim Supplier, welche auf Auftraggeberseite?
  • Welche Maßnahmen wurden vereinbart und mit welchem Ergebnis?
  • Was bedeutet diese Erfahrung für Verlängerung, Folgeprojekt oder nächste Ausschreibung?

Wenn diese zehn Fragen beantwortbar sind, wird Supplier Performance Management zu mehr als Reporting.

Es wird zur Entscheidungsgrundlage.

Fazit: Qualität muss den Zuschlag überleben

Der Vorschlag der Europäischen Kommission für einen neuen Public Procurement Act setzt ein deutliches Signal: Öffentliche Beschaffung soll Qualität systematischer neben dem Preis berücksichtigen. Vorgesehen sind grundsätzlich mindestens 30 Prozent Qualitätsgewichtung und bei arbeitsintensiven Aufträgen 50 Prozent – mit Ausnahmemöglichkeiten, wenn Qualität anderweitig ausreichend abgesichert wird. Der Entwurf befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. [1][2]

Bitkom begrüßt die stärkere Berücksichtigung von Qualitätskriterien grundsätzlich und verbindet die Reform zugleich mit der Forderung nach praxistauglichen, europaweit einheitlichen Standards. [3]

Für Supplier Governance lässt sich daraus eine breitere Lehre ziehen:

Qualität ist nicht dann gut gesteuert, wenn sie in einer Vergabematrix viele Punkte erhält.

Sie ist gut gesteuert, wenn nach dem Zuschlag weiterhin klar ist,

  • was Qualität für diese konkrete Leistung bedeutet,
  • welche Erwartungen vereinbart wurden,
  • woran Abweichungen sichtbar werden,
  • welche Projektwirkung daraus entsteht
  • und welche Entscheidung folgen muss.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur:

„Wie viel Gewicht geben wir Qualität bei der Auswahl?“

Sondern:

„Wie viel davon können wir sechs Monate später noch nachvollziehbar steuern?“