Wenn der Kostendruck steigt, beginnt in vielen Unternehmen derselbe Reflex.

Budgets werden eingefroren. Neue Beauftragungen gestoppt. Externe Dienstleister sollen zehn oder fünfzehn Prozent günstiger werden. Projekte werden verschoben. Procurement erhält neue Savings-Ziele.

Das ist nachvollziehbar.

Aber es ist noch keine Steuerung.

Der aktuelle BCG Transform and Special Situations Index 2026 zeigt, wie groß der Druck inzwischen ist. BCG analysierte mehr als 1.700 börsennotierte europäische Unternehmen und kommt zu dem Ergebnis, dass 16 Prozent der gesamten Unternehmensumsätze in Westeuropa unter Transformationsdruck stehen. Besonders deutlich habe der Druck in der DACH-Region zugenommen. Unternehmen mit weniger als fünf Milliarden US-Dollar Umsatz weisen in dieser Stichprobe laut BCG doppelt so hohen Restrukturierungsdruck auf wie größere Unternehmen.

Diese Größenordnung darf nicht mit dem deutschen Mittelstand gleichgesetzt werden. Die Stichprobe umfasst börsennotierte europäische Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen. Trotzdem ist die Managementfrage sehr relevant:

Wie senkt man Kosten, ohne die falschen Leistungen, Projekte oder Fähigkeiten zu beschädigen?

Pauschale Kürzungen sind einfach – aber nicht automatisch intelligent

Ein pauschales Savings-Ziel hat einen Vorteil: Es ist leicht zu kommunizieren.

Jeder Bereich spart zehn Prozent. Jeder Supplier soll nachverhandeln. Jeder Projektleiter reduziert das Budget.

Das erzeugt schnell sichtbare Zahlen.

Doch der gleiche Prozentsatz kann völlig unterschiedliche Auswirkungen haben.

Zehn Prozent weniger Budget bei einem austauschbaren Standardservice sind etwas anderes als zehn Prozent weniger bei einem kritischen Transformationsprojekt.

Zehn Prozent weniger bei einem Supplier mit redundantem Scope sind etwas anderes als zehn Prozent weniger bei einem Partner, der eine zentrale Systemabhängigkeit trägt.

Zehn Prozent weniger in einem Projekt mit schwacher Wirkung sind etwas anderes als zehn Prozent weniger in einem Projekt, das messbar Kosten senkt oder Umsatz sichert.

Kosten sind nicht gleich Kosten.

BCG fordert einen strukturellen statt linearen Cost Reset

BCG argumentiert in einem zweiten Beitrag vom 28. September 2026, dass lineare Kostensenkungsprogramme in einem Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit, organisatorischer Komplexität und AI-Investitionen zu kurz greifen.

Die Beratung empfiehlt eine strukturelle Überprüfung der Kostenbasis und sogenannte Zero-Based-Prinzipien: Kosten sollen nicht automatisch deshalb fortgeschrieben werden, weil sie im Vorjahr bereits vorhanden waren. Stattdessen muss ihr Platz in der zukünftigen Strategie neu begründet werden.

Das ist für externe Dienstleistungen besonders relevant.

Denn viele Supplier-Budgets wachsen über Jahre schrittweise:

Ein zusätzlicher Retainer. Ein neues Projekt. Ein Spezialdienstleister. Ein verlängertes Tool. Ein Change Request. Ein weiterer Scope.

Jede einzelne Entscheidung kann nachvollziehbar sein.

Die Summe ist es nicht automatisch.

Das Problem ist nicht der Supplier – sondern die fehlende Verbindung zum Wert

Ein Unternehmen kann wissen, dass es jährlich drei Millionen Euro bei einem Dienstleister ausgibt.

Das beantwortet noch nicht:

  • Für welche Leistungen?
  • Für welche Projekte?
  • Mit welchen Deliverables?
  • Welche Leistungen sind geschäftskritisch?
  • Welche Kosten sind variabel?
  • Welche Leistungen sind doppelt vorhanden?
  • Welche Leistung erzeugt welchen messbaren Beitrag?
  • Welche Leistung könnte entfallen, ohne ein wichtiges Ergebnis zu gefährden?

Genau hier entscheidet sich, ob eine Kostentransformation intelligent oder pauschal wird.

Fünf typische Fehler bei externen Kostenprogrammen

1. Supplier statt Scope kürzen

„Lieferant X muss zehn Prozent runter.“

Das klingt konkret.

Aber vielleicht betreut Supplier X fünf völlig unterschiedliche Leistungsbereiche.

Dann ist die relevante Frage nicht, wie viel der Supplier insgesamt kostet.

Sondern:

Welche seiner Leistungen verdienen ihr Budget noch?

Ein pauschaler Rabatt kann den Preis verändern, ohne die Kostenarchitektur zu verbessern.

2. Projekte werden nach Sichtbarkeit statt Wirkung geschützt

Strategisch sichtbare Projekte haben oft starke interne Sponsoren.

Kleinere Projekte nicht.

Das führt dazu, dass Budgets nicht zwingend nach Wirkung priorisiert werden, sondern nach politischer oder organisatorischer Sichtbarkeit.

Eine belastbare Portfoliosteuerung braucht deshalb vergleichbare Entscheidungsgrundlagen.

3. Einsparungen werden isoliert betrachtet

Ein externer Service wird reduziert.

Dadurch entstehen intern zusätzliche Aufgaben.

Oder ein anderer Supplier muss übernehmen.

Oder das Projekt dauert länger.

Dann sinkt zwar eine Rechnungsposition, aber nicht zwingend die Gesamtkosten.

Savings und Gesamteffekt sind zwei unterschiedliche Größen.

4. Bestehende Budgets gelten als Ausgangswahrheit

Der klassische Budgetprozess startet häufig beim Vorjahr.

2026 waren es 500.000 Euro, also planen wir für 2027 mit 480.000 oder 520.000 Euro.

Zero-Based-Denken stellt eine andere Frage:

Warum braucht diese Leistung überhaupt dieses Budget?

Diese Frage ist unangenehmer.

Aber sie ist steuerungsrelevanter.

5. Entscheidungen verlieren ihren Kontext

Warum wurde ein Supplier damals beauftragt?

Welche Alternative wurde verworfen?

Welche Annahme lag dem Business Case zugrunde?

Was hat sich seitdem verändert?

Ohne diesen Kontext wird die nächste Kürzungsrunde schnell zu einer rein finanziellen Übung.

EXTERNAL SPEND → SCOPE → PROJECT → VALUE → RISK → DECISION

Eine intelligentere Steuerungslogik verbindet sechs Ebenen:

EXTERNAL SPEND → SCOPE → PROJECT → VALUE → RISK → DECISION

EXTERNAL SPEND

Wie hoch sind die tatsächlichen externen Kosten?

SCOPE

Welche konkrete Leistung wird dafür bezogen?

PROJECT

Welches Projekt, Programm oder operative Ziel unterstützt die Leistung?

VALUE

Welcher erwartete oder beobachtbare Nutzen steht dahinter?

RISK

Was passiert, wenn wir reduzieren, stoppen oder wechseln?

DECISION

Weiterführen, reduzieren, neu verhandeln, konsolidieren, ersetzen oder beenden?

Damit wird aus einem Savings-Ziel eine Managemententscheidung.

Procurement und Finance brauchen denselben Blick auf externe Leistungen

Unter Kostendruck arbeiten Finance und Procurement häufig besonders eng zusammen.

Finance sieht Budgetabweichungen.

Procurement sieht Verträge und Konditionen.

Der Fachbereich sieht Leistung und Qualität.

Das PMO sieht Projektfortschritt und Abhängigkeiten.

Wenn diese vier Perspektiven getrennt bleiben, entstehen typische Konflikte.

Finance fragt: Warum ist der Spend so hoch?

Procurement fragt: Ist der Preis marktgerecht?

Der Fachbereich fragt: Wie sollen wir ohne diese Leistung liefern?

Das PMO fragt: Was passiert mit dem Termin?

Alle Fragen sind berechtigt.

Aber erst gemeinsam ergeben sie eine sinnvolle Entscheidung.

Sourcing vereinfachen heißt nicht automatisch Supplier reduzieren

BCG nennt in seinem aktuellen europäischen Transformationsbeitrag auch die Straffung von Sourcing als einen möglichen Hebel.

Das kann Supplier-Konsolidierung bedeuten.

Es muss aber nicht.

Weniger Supplier können Koordination vereinfachen.

Gleichzeitig kann eine starke Konzentration neue Abhängigkeiten schaffen.

Deshalb sollte die Steuerungsfrage lauten:

Welche Supplier-Struktur erzeugt für diesen Leistungsbereich das beste Verhältnis aus Kosten, Steuerbarkeit, Qualität und Risiko?

Nicht:

Wie bekommen wir möglichst wenige Lieferanten?

Unter Druck wird Portfoliosteuerung wichtiger

Wenn genug Budget vorhanden ist, können ineffiziente Projekte oder überlappende Services lange unentdeckt bleiben.

Unter Kostendruck ändern sich die Anforderungen.

Dann muss das Management explizit priorisieren.

Welche Projekte schützen wir?

Welche externen Leistungen zahlen auf diese Projekte ein?

Welche Budgets haben die höchste strategische Relevanz?

Welche Leistungen lassen sich konsolidieren?

Welche Kosten sind historisch gewachsen, ohne noch ausreichend Nutzen zu liefern?

Das ist keine reine Procurement-Frage.

Es ist Portfolio Governance.

Project Intelligence als Entscheidungsgrundlage

Aus Ramp7-Perspektive ist Kostentransformation deshalb vor allem eine Frage der Verbindung.

SUPPLIER → SCOPE → BUDGET → PROJECT → PERFORMANCE → DECISION

Ein Kostenreport allein reicht nicht.

Eine Supplier-Liste allein reicht nicht.

Ein Projektstatus allein reicht nicht.

Die Managementinformation entsteht dort, wo diese Perspektiven zusammengeführt werden.

Daraus wird ausdrücklich nicht abgeleitet, dass Ramp7 heute automatisch Savings identifiziert, Cost-Reset-Szenarien berechnet, Supplier konsolidiert, Benchmarks liefert oder Kosteneinsparungen prognostiziert.

Acht Fragen für den nächsten Cost Review

  • Welche externen Budgets sind unseren wichtigsten Projekten eindeutig zugeordnet?
  • Können wir bei jedem Top-Supplier den Spend nach Leistungsbaustein aufschlüsseln?
  • Welche Leistungen wurden im letzten Jahr verlängert, ohne den Scope neu zu überprüfen?
  • Welche Projekte haben hohe Kosten, aber keinen klar messbaren Wertbeitrag?
  • Wo erzeugen mehrere Supplier überlappende Leistungen?
  • Welche Kostensenkung würde intern neue Kapazitätskosten erzeugen?
  • Welche Supplier-Abhängigkeiten würden bei einer Kürzung zum Risiko?
  • Welche Budgets würden wir heute neu genehmigen, wenn sie nicht bereits historisch vorhanden wären?

Die letzte Frage ist vermutlich die wichtigste.

Denn echte Kostensteuerung beginnt nicht mit dem Rabatt.

Sie beginnt mit der Entscheidung, welche Leistung ihr Budget überhaupt verdient.

Fazit: Kostendruck verlangt mehr Transparenz, nicht weniger

Der aktuelle BCG-Index zeigt deutlich gestiegenen Transformationsdruck in Westeuropa und insbesondere in der DACH-Region.

Unternehmen werden deshalb ihre Kostenbasis kritischer prüfen müssen.

Doch eine pauschale Kürzung externer Budgets kann leicht dort Schaden anrichten, wo Leistungen strategisch wichtig sind – und gleichzeitig historische Ineffizienz unangetastet lassen.

Die bessere Frage lautet nicht:

Wo können wir zehn Prozent streichen?

Sondern:

Welche externe Leistung unterstützt welches Projekt, erzeugt welchen Wert und verdient deshalb weiterhin Budget?

Genau diese Verbindung macht aus Kostenreduktion Steuerung.